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Selbstmitgefühl


Selbstmitgefühl ist eine
aus warmer Sahne
gehäkelte Decke;
ist die Art, wie ich
mich sanft und liebevoll
an Depri-Tagen necke.

Selbstmitgefühl ist eine
Wortneuschöpfung, klar -
klingt zunächst etwas
sperrig. Ist aber
wirklich, wirklich wunder-
bar.

„Liebe dich selbst
wie deinen Nächsten“,
ist nur dann guter Rat,
wenn der Nächste sich
selbst gerne, ja gar: Lieb
hat. Wie das geht, haben so
viele von uns nie ge-
oder längst verlernt.

Selbstmitgefühl ist noch
an keiner Schule Kern
dessen, was wir Kindern
vermitteln; lehren sie
stattdessen das Streben nach Titeln...

Doch statt uns zu messen
und zu vergleichen, wäre
es heilsamer, wir würden
uns selbst freundlich
die Hände reichen.

Uns und das Leben so
nehmen, wie wir hier und
heute gerade stehen -
so zu sein, wie wir sind,
ist ein Grund für Verbindung,
zutiefst menschlich,
und kein Vergehen.


06.07.2017
© Constanza Fest, 2017.

Musik verbindet

Sommer! Naja, ok, erst ist der Frühling dran.


An diesem Märztag hat er sich mächtig ins Zeug gelegt. Sonne, blauer Himmel, linde Temperaturen. In der Stadt waren viele Menschen auf der Straße, saßen in Cafés auf den Außenterassen - die Stühle meistens noch mit Decken ausgerüstet.

Ich kam von der Praxis, wollte die Sonne genießen und etwas essen. Auf der Terasse vom Elisengarten ging beides prima.


Die Idee hatte aber nicht nur ich, sondern halb Aachen. Jedenfalls sah ich keinen freien Tisch. Also artig eine Dame, die allein an einem Vierertisch saß, gefragt, ob ich mich dazu setzen dürfe. Ich durfte.


Aber als die Dame die Zigaretten auspackte, hielt ich doch wieder Ausschau nach einem freien Tisch. Fast sofort wurde einer direkt an der Vorderkante der Terasse frei. Ich stand auf, meinen Rucksack in der Hand. Tat die 1,5 Schritte zum nun freien Tisch - und bemerkte, dass sich von den Treppen her ein Mann ziemlich genau zur selben Zeit, im selben Tempo, auf denselben Tisch zubewegte.

Ungerührt setzte ich meinen Rucksack auf einen Stuhl, und holte noch meine Handtasche. "Wollten Sie auch auf die Terasse" fragte ich ihn. Er schien etwas verärgert, wie er da inzwischen neben dem noch freien Stuhl des Zweiertischs stand. "Ja, allerdings, ich wollte mich hierhin setzen," erwiederte er pikiert. 


Gelassen meinte ich, "Na, dann setzen wir uns zusammen hin," und machte es mir bequem. Etwas steif nahm er ebenfalls Platz, drehte den Stuhl so, dass er mir die Seite zuwandte, und lehnte den Oberkörper weg von mir. Hm. Kurz bedauerte ich, den halben Vierertisch für einen halben Zweiertisch und einen Tischpartner eingetauscht zu haben, dessen Körpersprache ich entnahm, er wünsche nach diesem Auftakt keinen Kontakt. Nun ja.

Erstaunt bemerkte ich, dass ich das weder bedrückend noch ärgerlich fand, und mich auch nicht fragte, ob ich was falsch gemacht hätte oder an seiner schlechten Laune Schuld sei. Wirkte der MSC*-Kurs etwa schon?



Ich hatte einen Haufen Noten dabei, und freute mich darauf, sie im Sonnenschein durchzugehen, bis das Essen kam. Bevor ich mich hinein stürzte, bemerkte ich versöhnlich zu meinem Gegenüber etwas in der Art, dass wir uns anscheinend gleichzeitig auf den Tisch zubewegt hätten. Es grummelte etwas Unverständliches von der anderen Tischseite, widerstrebend zustimmend, schien mir.

Ob er denn Raucher sei, fragte ich noch, da ich ja Essen bestellt hatte, und mir ansonsten doch einen anderen Tisch gesucht hätte. "Nein," grummelte er wieder, er wolle ja eben auch essen. Und bestellte sich die Kohlroulade.



Ich vertrieb mir die Zeit mit den Noten, und nahm es so auch gar nicht krumm, dass sein Essen, obwohl später bestellt, zuerst kam. Allerdings ohne Besteck, und so gab ivh ihm meins - schrecklich, das Essen dampfend, duftend, vor sich stehen zu haben, und warten zu müssen, bis der Kellner endlich Messer und Gabel bringt... Als er auf mein "Guten Appetit" hin "Danke" sagte, klang er schon nicht mehr so knurrig.



Und tatsächlich - als mein Essen dann auch kam, sprach er mich an, ob ich Musikerin sei - er habe da doch eben Noten gesehen?

Als er hörte, dass ich mir seit knapp einem Jahr autodidaktisch Gitarre beibringe, war er erfreut, und gestand, selbst ebenfalls Gitarre zu spielen, in einer Band. Und so entspann sich ein lebhaftes Gespräch zwischen uns, dass sich schnell nicht mehr nur um Musik, sondern auch um Lebensträume drehte, den Mut, diese umzusetzen; um die Ängste, die einem dabei begegnen, um das große Glück, bedingungslos geliebt zu werden, und vieles mehr. Wir lachten viel, und berührten auch schmerzliche Punkte, in uns selbst, durch unser Mitteilen.



Seine Geschichte, wie er dazu gekommen war, seinen Job an den Nagel zu hängen und nur noch Musik zu machen, fand ich ermutigend und inspirierend. Schaut in den nächsten Tagen mal wieder hier vorbei, ich werde sie auch aufschreiben.

Nachtrag

Sehr witzig fand ich, dass ein Mann, der etwa 30cm neben, aber eine Stufe unter uns, jenseits der Blumenkübel, auf den öffentlichen Stufen saß, dem Gespräch bald interessiert lauschte. Das konnte ich an seiner Kopfhaltung und Mimik klar erkennen.

In einer Gesprächspause erlaubte ich mir daher einen Spaß mit ihm, beugte mich zu ihm, und sagte, "Das Zuhören kostet übrigens 2 Euro 50!" Als er ertappt schaute, musste ich schallend lachen! Dabei hatte ich selbst schon auf den Stufen gesessen, und wusste, es war unmöglich, die Gespräche nicht mitzubekommen. Er fing sich schnell, gestand frei ein, zugehört zu haben, da er selbst Gitarre spiele, und setzte sich sogar kurz zu uns, bevor er ging.

*MSC: Mindful Self Compassion

Die Heilkraft eines Marmeladenbrotes

Neulich, es war an einem halbwegs trockenen Tag in einem sonst verregneten Sommer, habe ich jemandem im Garten geholfen. Wir haben zusammen Unkraut gejätet, uns unterhalten, und der Mann, dem der Garten gehört, rauchte einen Zigarillostummel, während er, wie ich, auf allen Vieren im Beet arbeitete.

Dabei schielte ich immer wieder sehnsüchtig auf die schwarzen Johannisbeerbüsche und ihre Früchte. Schließlich pflückte ich mir welche, und sie waren so schmackhaft, dass mir ein lautes "Ohhh, wie köstlich!" entfuhr. Was aus diesem kleinen Mundraub entstehen sollte, davon handelt diese Erzählung.


uschi dreiucker  / pixelio.de

Freundschaft im Moment

Freundin
schon
seit Jahren
nun,
sitzt
schräg
mir
gegenüber.

Begegnung,
jedesmal;
neu,
wieder,
und wieder,
und wieder.

22.2.16

Erinnern an Raphael Peinkofer - 3

Wünschte, ich könnte dich retten,
dich halten, körperlich hindern
daran, was du schon vor über
vier Wochen, tatsächlich,
und einsam hast getan.

Wünschte, ich könnte dich
treten, streiten, mit dir
diskutieren - dich beknien
auf allen Vieren,
ich wünschte, du hättest
es nicht getan.

Und doch bin ich einverstanden,
was ist denn Respekt, wenn
nicht verstehen - dir war gegeben
ein eigenes Leben, das musstest
und durftest du alleine gehen.

Deine Eltern haben dich
gezeugt, in die Welt gebracht,
und auf den Weg gesetzt. So
sehr dein Tod und die Art deines
Verscheidens sie vielleicht
auch verletzt - dein Leben
war dein zu leben, und
anscheinend ist es uns
nun mal gegeben, es auch
zu beenden, wenn wir nur
entschlossen oder verzweifelt
genug sind.

Ich kann das nicht verstehen,
nach dergleichen stand mir nie
der Sinn. Aber ich kann es
respektieren, obgleich dein Akt
mir nicht willkommen war.
Und natürlich wünschte ich, du
wärest weiter am Leben, vor allem:
Glücklich, und noch da.

So ist es aber nicht. Das ist nicht
die Wirklichkeit, von der dein
Grab mir spricht. Von der die
Blumen sprechen, die ich dafür
gebrochen - und wer weiß,
vielleicht hast du ihren Duft
ja doch gerochen.

Ade, mein Freund, ade.
Oh, was tut das Scheiden weh. 

23.6.15 

Erinnern an Raphael Peinkofer - 2

Mein Verstand steht still
weil er das einfach nicht
glauben kann oder will.

---


Mein Herz weint, und lässt dich
los in die Unendlichkeit,
mit der deine Sehnsucht -
oder war es Verzweiflung -
dich letztlich hat vereint.


---

Wo bist du hin gegangen?
Wieso? Warum? Meine
Gedanken kreisen, doch
meine Welt steht stumm.

Hat aufgehört, sich zu drehen,
meine Beine wollten
nicht mehr weiter gehen. Seither
fließt die Welt um mich
herum, ich fühle mich
leer und manchmal dumm.

Verständnis ist unmöglich hier,
egal wieviel wir uns erklären,
so manches wird Geheimnis
bleiben, in für Lebende 

verborg'nen Sphären.


---


Ich hab dein Lächeln noch im
Ohr, deine Stimme noch
in meiner Haut. Dein Schweiß
benetzt noch mein Gesicht
- doch du bist schon seit
Wochen fort.

---

Dein Tod hat meinen Blick
geweitet, jetzt sehe ich die
Menschen anders an:
Hat ein Verlust auch dich
schon geweitet, hast du erlebt,
dass ein geliebter Mensch gegangen?


---

Das Buch ist zu,
ein Mysterium bist du.
Auf ewig ungelöst und
auf ewig vorbei. 


19. u. 17.5.2015

Erinnern an Raphael Peinkofer - 1

Die Menschen um mich sind alle 
bewegt - doch ich, ich sitze still.
Weil mein Körper seit der
Nachricht deines Todes
einfach nur still sitzen will.

Will sich nicht mehr wirklich
regen, außer langsam, mit
Bedacht. Denn die Botschaft
deines Todes hat mich
getroffen und wach gemacht.

Wach! Für die Kostbarkeit
des Lebens, denn ich lebe fort,
und nicht mehr du.

Wach! Für die Vergeblichkeit
des Strebens - keiner entkommt
dem Tod, nicht ich, später,
nicht jetzt: Du.

Wach! Für alles, was ich mit
dir geteilt hab', manches schön,
und manches nicht.

Wach! Für den kühlen Luftzug,
den Windhauch, der gerade jetzt
fächelt mein Gesicht.

Und machtvoll brach über mich
herein, dass jedes Leben endlich
ist: Das des Blattes, das des Baumes;
eine Tatsache, die man gar zu leicht
vergisst. Und erst im Tode eines
Lieben ganz ermisst.

Der Tod klopft an, als Teil
des Lebens; dein letzter Schuss
ein schmerzhaftes Geschenk -
das, wenn ich nachsinn', ich
wünschte ungegeben, doch
da es nun einmal in meiner
Seele hängt:

Wie geht Trauern, wie geht Schmerz,
da du mir so nahe warst?
Ich weiß, viel davon war
ausgedacht - doch elf Jahre,
immer wieder Begegnung,
die hab ich nicht allein' gemacht.


Das Buch ist zu. Es wird kein
neues Kapitel geben, hier endet
der Fortsetzungsroman. Und
auch mein vergeblich Streben,
dir zu helfen, dich zu retten -
welch' ein Wahn.

Der Hände gab es sicher viele,
nicht nur meine, ganz gewiss
- sie haben dich vielleicht eine
Zeitlang gehalten, im Leben,
doch am Ende hast du
den Frieden zu sehr vermisst. 
 
19.6.15, eine Woche, nachdem ich von Raphaels Selbstmord durch Erschießen am 17.5.15 erfahren habe.
 

Wehe Herzen

Du und ich,
zwei verkorkste Gestalten,
die sich ab und an,
nächtens,
in den Armen halten.

Die Herzen wund,
die Seele leer,
der Kopf weiß
keine Schritte mehr.

Komm, leg dein
wehes Herz an meine Seite,
gestehe mir die
ganze Pleite -

ohne Worte, nur
im Stillen, einander
wir die Sehnsucht
erfüllen.

Meine: Nach Nähe und
Geborgenheit -
ist es ein Tausch,
dass ich dich in
deiner nach
Sinnlichkeit
begleit'?

Wonach sehnt es sich
wohl tief in dir?
Was treibt dich
manchmal hin
zu mir?

Ist's wirklich nur
die Triebabfuhr?
Ich mein, da liefe noch
'ne and're Spur:

Wehes Herz muss auch
mal ruhen,
kann nicht pausenlos
Schritte tun.

Muss auch mal
verstanden sein, die
Welt ist dafür nicht
zu klein.

Wehe Herzen müssen
ruh'n,
können nicht
rastlos
Schritte
tun....

Walking with a homeless man

On an overcast morning of May 2d, I was walking through the city center of my home town Aachen in Germany. The gray sky didn't bother me because trees were finally putting on their green spring dress, and the air smelled of flowers. I was on my way to catch a bus, walking quickly, and easily outpaced a man whose stumbling gait had already caught my eye. 

While passing him by, I cast a glance towards him, and saw that his head was hanging so low, his chin touched his chest. He was holding a bottle of beer in his left hand. The cap was on, but the bottle was already missing a third of its content. He looked like he could fall over any minute, and hurt himself. 

I stopped a couple of yards ahead of him, wanting to offer him my help to a nearby bench, but then, I hesitated. Everyone knows the kind of thoughts that raced through my head then: Nah, he's okay... I don't want to meddle/offend/get rejected/involved with a stranger who's probably drunk... I'm going to miss my bus... And listening to them, on I went. For three or four steps. Then I stopped dead in my tracks, told myself: Damn it! Your heart is telling you go, so go. 

I turned on my heels and went to stand next to him, gently cupping my hand beneath his elbow to let him know I was there – his head hung so low, he probably could only see my shoes, if he was paying any attention at all. 
„Hi“, I said, „can I help you? Maybe to one of the benches in the park?“ We were just passing it by, but as the lawn had been newly sown, crossing to the nearest bench, barely 15ft away wasn't an option. And I didn't know if that's where he wanted to go, it was just my idea, after all. He barely lifted his head, and mumbled: 
„Why? 'cause you think I'm going to fall over?“ His voice didn't sound aggressive, just a bit mocking. 
„Yes“, I replied, feeling a strange little twinge in the chest, „I saw the way you walk and I was worried you'd fall and hurt yourself.“ 

There was a bit of silence during which I slowly walked alongside of him, still cupping his elbow, providing gentle support but ready to pull back at any moment should he show signs of not wanting my help.
“Well dang!” he finally replied, mildly surprised, allowing my touch. 

We then got chatting a bit, with frequent pauses in the conversation whenever he concentrated on walking (or maybe, thinking): About the park, and that obviously people had already stepped onto the freshly sown lawn. He asked what I had been doing in town, and where I was going. I forgot about my bus. Finally, we reached a bench on one of the central town squares. It had taken us about 5 to 10 minutes to walk the distance, maybe 40yds. There, he sat, and I sat down by his side, not sure why, as I'd forgotten any idea of helping him. Or of catching my bus, of having to prepare a study group meeting for that evening. 

My eyes were drawn to his deeply chapped hands. They were clean, but the splits were black - they must be pretty deep. I touched one hand, hesitatingly taking it in mine, looking at his nails (cut short and clean but with terrible cuticles, which, he suddenly said, had never been really good, even earlier in life), turning it around, looking at the places where obviously the splits had become infected. 
“Does that hurt?” I wanted to know, not really expecting an answer. 
“Not anymore”, he said, raising his head and looking straight at me, with slightly veiled, blue eyes: “Only in the beginning, when it was cold...” 

Suddenly, he turned over the hand that I was holding. Now, he was the one holding my hand, and used his other one to explore my skin, even pushing up my sleeve to touch my forearm. For a split-instant, I was scared, but then I realized he was just curious, and indeed: “Mine's like sandpaper,” he grumbled, releasing my arm. We looked at each other, and though my heart hurt, I stretched out both my hands towards him and said: “Well then, one peeling, please!” I think he didn't even smile. I was so sad and happy at the same time, my heart full of love and pain and compassion, I felt like crying, but all I could think of was that little joke.

We sat there for a couple more minutes, maybe 15, talking: About money, about what he wanted out of life (“I'm not going to accomplish anything great anymore, not like you - Right - I just want to be able to do the things I set out for myself in the morning, go through with them so I have a sense of achievement, and be able to do the things I enjoy doing.” Geez, that's exactly what I'm struggling to do, I thought).

Sometimes, I had to go into a huddle with him, to understand what he was saying when his head was hanging down again. You should have seen the looks some well-dressed passers-by gave me, a mixture between wonder and disgust, like I was doing something wrong.

After a while, I bade him goodbye. It was hard, walking away, thinking I really hadn't done anything tangible at all to help him. Once I had rounded the corner, I finally let the tears flow. But it wasn't all sadness. I was grateful that I'd been able to let myself be so deeply touched by this meeting. I was grateful that the man had answered some of my long held questions about how homeless people live. And I was grateful for the love I'd felt for him.

you are the love that blows my sails (2010/12/11)

you are the love
that blows my sails,
that fills my chest
with laughter and with
tears, unshed.

you are the breath
that dries my sweat
you are the towel
that wipes me down
whenever I get wet.

I could do without.
Could handle towel,
wet, and rain,
dreams that silently
go down the drain.

Learned, in effect,
to deal with the dull,
learned to breathe
while watching life cull
my all-too high-strung
aspirations.

As it is with nature's bounty,
I've never known the
when or why
for your love and friendship
I did and still do
qualify.

It just is.
So, in times of solitude,
I steer my bow to you.
Try quietly to give
of what blossoms
here – in part it's due to you.

You are the love that
blows my sails, gently,
unnoticeably so. I'm grateful for a
life, that chose to make it so.

für A.

Crazy house of love (2010/12/11)

your house is crazy.
ah, and how I love you
for that crazy house,
with the patio and the
garden overflowing
with flowers, potted
and in beds.

your house is crazy,
don't the neighbours
say so? and they should
know, as they've been
married to each other
for decennies...

your house is crazy,
the walls outside painted
yellow, twice -
did you ask the landlord
for permission?
your laughter all the
answer I need.
the ledges, painted red,
lipstick red -
suddenly, a foreign
country lives in a loud
back yard.

your house is crazy.
beneath the wild wine,
you hang up trinkets,
a mirror being the most
inocuous one.
Do you know you have
half of an arm dangling
on your wall, I said
recently, sipping sweet tea
during breakfast. Your
laughter, again, the
only answer I need, or
want.

You eat, and lick the
spill from your fingers,
which your lover takes
over doing - „I can't get
it off, she keeps tasting
sweet“, he says, after having licked,
and licked... and we
all laugh, shy wonder and
gratefulness mingling
in me, the smiling witness,
whom your generosity has
helped to heal much envy of love.

your house is crazy. from
two flats, you create paradise:
A loft in the girls' room gives
them so much universe to be
in. Liam's room which David
now shares, where your things
are stowed safely in a huge
storage rack – the eye being
caught more by the orange
canopy under which your son
will sleep at night, gently easing
down the high ceiling to create
a protective space.

your house is crazy, I said,
but maybe I have
misunderstood what being
crazy is all about. is it crazy
to not bother closing the
bathroom door because the
idea of voyeuristic intention
doesn't cross the children
passing by? Is it crazy to
steal huge slabs of stone from
riverbeds at night to recreate
some of what you love about
the countryside outside your
front door?

Your house is crazy. It breathes
colours, trinkets, beautiful stones,
flowers you either grew or
stole somewhere, „From a front
garden,“ you scream with
laughter and excitement,
and after that, I've started
thinking differently about
collecting flowers from public
parcs. Would my parents let me
play with you if we were still children?

Your house is crazy, It must run in the
family: I've seen your old place, and it
was crazy, in that way, too,
with your intention of making
a home apparent in everything
you took yourself to. And
after your husband cast
you out, you just grew it
anew, where fate cast you.
so the skill, well – babe,
it's just the way you breathe
love on everything that you do.

Your house is crazy. I'm glad
I'm starting to take after you.
My house isn't crazy, but
I'm learning to let myself be,
and gladly so – hoping one day,
I'll be just as crazy in love as
the two of you.

für J&A

Dornröschenland ist abgebrannt (2004/07/02)

Dornröschenland ist abgebrannt
Prinzlein fein ist weg gerannt
schlaf, Prinzessin, schlaf.


Dornröschen ist erwacht,
doch wer hat’s wach gemacht?
Nicht dein Kuss,
der heiß ersehnte,
sondern der Schluss,
den fern ich wähnte.
Nun ist das Märchen aus,
und du und ich,
wir geh’n nach Haus.

Zurück bleibt eine Leere,
merkwürdigerweise aber
keine schwere.
Traurig bin ich, ja,
doch leicht,
und fühlt‘ ich mich
nicht so normal,
fänd ich’s wirklich sonderbar.

Ob ich auf dich warte?
Na warte, sagte Schwarte. :-)

Betthupferl für R. (2004/05/06)

Ich wünsche dir:
so sternenklar
die Nacht dir
überm Bette stehe
dass ich
obwohl es Nacht
schon war
bis hin zu dir
lächeln könnte.

about you (2004/05/05)

I long for you,
to hold you tight
and while away
day into night.

To sleep
- or maybe not so much -
be able to
reach out and touch
your sleeping face
your sloping back
very softly
so as not to wake you up.

I understand
your head is full,
that there are things
you have to work out
alone
inside your skull.
I understand the way
you think
is slow like watching a stone
through dark waters sink.

I don't complain.
Please don't get me wrong.
I only wanted you to know
it's not just my loins
singing their reckless song.

But more than having you with me
I want you to have calm
and faith
and see
all the beauty
that your future,
your dreams come true,
could be.

This is about you.
Not about me.

Blick zur Seite (01/04/2002)

immer wieder geht mein Blick zur Seite
da, neben meinem Schreibtisch
auf dem Boden
auf meinem Teppich
liegt ein Mann
bis vor ein paar Monaten habe ich ihn
gehasst. fast.
wenn er im haus war
bekam ich ausschlag
- mental.
höflich erzogen, liess ich höflichkeit
höflichkeit sein. in meinen
augen
verdiente er sie nicht.
ich emanze.
er chauvi. macho.
schwulenfeindlich.
rechts.
er benahm sich wie ein
arschloch.
ich behandelte ihn wie eins. 
 
zeitsprung. zeitpunkt: heute morgen.
genauer: sechs
ort: küche, meine wg
war es fügung oder
trivial das ende einer sauftour
der mann sitzt am tisch
ich, aufgewacht, aufgeweckt worden,
gehe nochmal rein.
eigentlich nur um ein glas wasser.

nochmal: zeitsprung:
neun uhr morgens.
was ist passiert?
wir haben drei Stunden geredet.
nicht geflachst.
nicht diskutiert.
er hat erzählt.
ich habe zugehört.
ich habe erzählt.
er hat zugehört.
glaube ich.
immerhin: ich war nüchtern
- er trank zum frühstück noch
pernod. 
 
aber es war ein gespräch
über ernstes, menschliches
allzu menschliches
rübergebracht oft kodderig
doch glaubwürdig
zu honorierende ehrlichkeit
und offenheit
einer frau gegenüber
die kaum ein hehl aus ihrer
tiefen abneigung gemacht hatte
zugegeben:
ich hatte mich auch verändert
hatte mich zuvor schon
immer wieder
gefragt
wie es kam
dass er mir manchmal
fast sympathisch war
nun weiß ich
feind ist nicht gleich feind
mensch ist immer mensch
meistens
jedes gesicht
eine geschichte.
nun kenne ich eine mehr.
bruchteilhaft.
habe wieder was dazu gelernt.

mein friedensangebot
war mein teppich
ein kopfkissen
eine decke
mein friedliches zimmer
damit er seinen rausch
ausschlafen konnte.

es gibt noch zeichen und wunder.





Age no longer matters (2001/03/02)

To me, people’s age no longer matters.
No more glee before yon being younger,
no more awe before years asunder.

Quality over quantity.

Experience is the pattern
I look for in my friends
and those I scout for promise.
I seek those lines
on their skin that tell a story
I seek those to whom
upheaval, struggle, laughter
are companions.
I seek those who have
learned to walk hand in hand
have learned to fight hardship
with humor.
I seek those who know
how to grow.
I seek those who take
responsibility.
I seek those with respect.
For self, for other, for life.
I seek those who make no judgment,
but hold their own opinions.
I seek those who know the goddess
of Love – of the thousand faces.
I seek those with courage.
With tears.
With weaknesses.
I have been loved endlessly.
Let me love you,
my friends. Will you?

All dein Wünschen ist vergebens (2000/02/21)

All dein Wünschen ist vergebens
all dein Sehnen ist umsonst
wenn die Liebe wütet,
gleich einer Feuersbrunst.


Verzehrend ist ihr Brennen,
heiß ist ihre Glut
zum Lieben braucht es eines:
vor allen Dingen Mut!


Zwei sind immer zwei,
zwei Herzen, zwei Gedanken.
Was du dir wünscht,
kann niemals sein,
zwei ist niemals eins.


Manchmal wenn die Sehnsucht
quälend in mir schreit
dann pflügt mich eine Pflugschar
macht für Neues mich bereit.


Mein Ich verbrennt zu Asche,
es wird Vergangenheit
zum Lieben braucht es Mut,
zum Lieben braucht es Zeit.


So wie ich gestern fühlte,
fühlte ich noch nie
und es ist so traurig:
Du hörtest nicht dieselbe Melodie.


Du hast es nicht verstanden,
Du hast es nicht gesehen
ich konnt‘ es Dir nicht zeigen,
dass alle Blüten offenstehen.


Die Liebe ist das Schönste,
und das Schrecklichste, was es
auf Erden und im Leben gibt.

So wie sie dich krönt,
kreuzigt sie dich.“